Beiträge zur Ur- und Frühgeschichte Mitteleuropas

 
Varia neolithica X. „Go West! Kontakte zwischen Zentral- und Westeuropa"
 
Band 91: Varia neolithica X. „Go West! Kontakte zwischen Zentral- und Westeuropa". Hrsg. von Valeska Becker, Jan-Heinrich Bunnefeld, Anneli O’Neill, Gisela Woltermann, Hans-Jürgen Beier & Ralph Einicke (Langenweissbach 2020)
171 Seiten mit vielen farbigen Abbildungen, Deutsch und Englisch, Karten, Pläne und Tafeln, Bestell-Nr. 1-1-91, Preis: 34,50 Euro.
 

Westeuropa umfasste in der Vorgeschichte atlantisch geprägte Makroregionen mit vielfältigen kulturellen Phänomenen, deren Naturräume, Subsistenzgrundlagen, Transport- und Kontaktmöglichkeiten vielfach durch die Nähe zum Meer bestimmt wurden. Die Kontakte mit dem westeuropäischen Raum prägten zu allen Zeiten die Urgeschichte Zentraleuropas, das in ein dichtes Kommunikationsnetzwerk mit Großbritannien, Irland, den BeNeLux-Staaten, Frankreich und der Iberischen Halbinsel eingebunden war. Dabei wurden Verbindungen teilweise über weiträumig verbreitete Kulturgruppen bzw. -kreise, wie z. B. den Glockenbecher-Horizont oder die Urnenfelderkultur, geschaffen. In vielen Epochen waren interkulturelle Kontakte entscheidend, sei es zwischen La Hoguette, Limburg und der Linearbandkeramik, in der Verbreitung der westeuropäischen Megalithgruppen oder bei der Genese der frühbronzezeitlichen Metallurgie. Mit der Entstehung und Verdichtung dieser Netzwerke eng verknüpft war der Austausch von Rohmaterial, Fertigprodukten und Techniken sowie von Bildsymbolen und religiösen Vorstellungen. Paneuropäischen Ideentransfer zeigen u. a. auch die Einflüsse bei den spätbronzezeitlichen Zeremonialwagen.
Das Ziel der gemeinsamen Sitzung der AG Neolithikum und der AG Bronzezeit war es, explizit die Verbindungen zwischen Zentral- und Westeuropa zu betrachten. Dies sollte sowohl in Bezug auf die theoretischen Grundlagen der Kulturkontaktphänomene als auch auf deren materielle, soziokulturelle und ikonographische Ausdrucksformen geschehen. Diesen Themen widmeten sich ca. 40 Referenten in 23 Vorträgen und sieben Posterpräsentationen.
Im Mittelpunkt der Beiträge stand die kulturelle Diversität der Kontakte zwischen Zentral- und Westeuropa, die sich einer generalisierten Interpretation als überwiegend Ost-West-verlaufende Prozesse entzogen und stattdessen als komplexe Phänomene eines gegenseitigen Austauschs darstellten. Der programmatische "Go West!" - Aufruf des Tagungsthemas wurde somit kritisch hinterfragt und auf seine Kohärenz mit den aktuellen landschaftsarchäologischen, typochronologischen und genanalytischen Forschungsergebnissen überprüft. Es zeigte sich u. a., dass die Vermittlung von Objekten und Ideen von den spezifischen naturräumlichen Bedingungen abhängig war, an denen sich die kontinentüberspannende Mobilität vom Frühneolithikum bis zur Spätbronzezeit orientierte.


Inhaltsverzeichnis:

Valeska Becker, Jan-Heinrich Bunnefeld, Anneli O'Neili und Gisela Woltermann
• Go West! Kontakte zwischen Zentral- und Westeuropa
Bericht über die gemeinsame Sitzung der AG Neolithikum und der AG Bronzezeit am 6. und 7. Juli 2017 im Rahmen des 9. Deutschen Archäologiekongresses in Mainz

Johanna Ritter-Burkert
• Mehr westwärts? Das band keramische Mittelhessen im Spannungsfeld der Ost- und Westkontakte

Erich Kirschneck
• Neue Überlegungen zu La Hoguette

Michaela Schauer
• Im Westen was Neues - zur Ausbreitung der La Hoguette-Gruppe entlang der französischen Atlantikküste

Solène Denis
• Intercultural contacts between BlicquyNilleneuve-Saint-Germain populations and Grossgartach/Planig-Friedberg populations from the Aldenhoven Plateau and surrounding areas: diffusion of siliceous raw materials and technical traditions

Sandra Fetsch
• Die Siedlungsaktivitäten der älteren Michelsberger Kultur in Hessen

Ralph Großmann
• Glockenbecherbezüge zwischen MiUeldeutschland und der Meseta-Region, mit Blick auf die Schönfelder Kultur

Marlene Ruppert-Dallmann
• Das glockenbecherzeitliche Gräberfeld und die Siedlungsreste der Aunjetitzer Kultur aus Wenigensömmern, Lkr. Sömmerda

Frauke Mohrwinkel
• Zwischen Kupfer und Bronze: das Endneolithikum in Profen (Sachsen-Anhalt)

Dominique C. Franke
• Vom Wellenleistenbecher zum Pot Beaker - Tradition am Übergang vom Spätneolithikum zur frühen Bronzezeit

Johanna Brinkmann
• Arbeitsaufwandsberechnungen zu prähistorischen Bronzeartefakten - Methode, Ziele, Perspektiven, Grenzen

Guy De Mulder
• At the crossroads. Belgium between the Atlantic and Continental cultural complexes during the Middle and Late Bronze Ages

Yann Lorin
• Des décors des pesons de métier à tisser aux parures emblématiques de ľâge du Bronze. Hypothèses sur les relations entre ľactivité du tisserand et une imagerie symbolique protohistorique

Daniel Schäfer
• Zwei bedeutende Fundorte der Urnenfelderzeit aus dem Salzburger-Becken - das Gräberfeld von Salzburg-Maxglan und die Siedlung auf dem Rainberg

Allgemeine Beiträge und Rezensionen

Matthias Jung
• Materiale Kippfiguren. Die Polyvalenz von Artefakten am Beispiel von Stabdolch, Schwert und Tomahawk als Weiterentwicklungen der Keule


zurück
Verlagsprogramm > Archäologie > Beiträge zur Ur- und Frühgeschichte Mitteleuropas